Pflegeleitbild der Häuslichen Kinderkrankenpflege MobiCare UG
Wir pflegen kranke, intensivbedürftige Kinder und Jugendliche in ihrem häuslichen Umfeld unter Einbeziehung der Familie in den Pflegeprozess. Dabei orientieren wir uns an den vorhandenen Ressourcen, Bedürfnissen und Wünschen. Das Ziel ist eine optimale Versorgung.
Unsere Arbeit richtet sich stets nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand pädiatrischer Pflege und Medizin. Die Gesundheit des Kindes wird soweit möglich verbessert und stabilisiert, bzw. palliativ begleitet. Jeder Patient wird von uns in gegenseitiger Akzeptanz mit unserem fundierten Fachwissen - ohne Ansehen seines Glaubens, seiner Herkunft und seines sozialen Standes - aktivierend gepflegt, begleitet und unterstützt.
Kranke Kinder und ihre Eltern bzw. Familie sind auf fremde Unterstützung angewiesen. Aus diesem Grund ist unsere Pflege individuell und flexibel, vor allem aber menschlich. Wir sehen den Menschen und sein Umfeld (seine Familie bzw. die engen Bezugspersonen, Freunde, Nachbarschaft und generell die sozialen und kulturellen Netzwerke) in seiner Ganzheit; er verdient Vertrauen und Respekt.
Systemtheorie der Pflege
Vorbild für die Pflegephilosophie der Häuslichen Kinderkrankenpflege MobiCare UG [MC] ist die Systemtheorie nach Marie-Luise Friedemann. (Marie-Luise Friedemann und Christina Köhlen; Familien- und umweltbezogene Pflege; Hans Huber Verlag; Bern, 2003)
Systemtheorie von Marie-Luise Friedemann
Familien- und umweltbezogene Pflege stellt den Patienten mit seiner Familie als Subjekt ins Zentrum von Pflege und Betreuung, deren Ausgangspunkt und Initiator der Patient und seine Familie ist.
Nicht ausschließlich die Erkrankung des jeweiligen Familienmitgliedes steht im Mittelpunkt, sondern der davon Betroffene in seinen familiären Beziehungen.
Marie-Luise Friedemann geht in ihrer Theorie von den vorhandenen, aber auch von potenziellen Fähigkeiten und Ressourcen der Familie und ihrer Mitglieder aus. Hier liegen in ihrem systemischen Ansatz die Potenziale für Veränderungen. Die Defizite stehen nicht im Mittelpunkt.
Die Systemtheorie nach Friedemann
im Überblick:
Diagramm des individuellen Systems und zugleich des Familiensystems nach der Theorie des systemischen Gleichgewichts nach Marie-Luise Friedemann und Christina Köhlen, 2003
Nach Friedemann stehen alle Systeme in einer dynamischen Wechselwirkung von gegenseitiger Anpassung und Wiederanpassung an Veränderungen.
Die Umwelt umfasst auch alle Systeme, die sich außerhalb des Menschen und seiner Familie befinden.
Stabilität, Regulation / Kontrolle, Wachstum und Spiritualität sind die Ziele, auf die sich das menschliche Verhalten ausrichtet.
Stabilität bezieht sich auf die Persönlichkeit des Menschen und erlaubt Identifikation. Der Persönlichkeit unterliegen Werte, Auffassungen, Verhaltensregeln und Weltanschauungen, die die täglichen Handlungen und die Entscheidungsfindung beeinflussen. Das Ziel der Stabilität erfordert, dass die Person an ihren Werten festhält und dementsprechend handelt. Die Person wehrt sich gegen Einflüsse, die diese Integrität verletzen könnten und die zu schwerer Krankheit führen können.
Spiritualität (Lebenssinn) und Regulation/Kontrolle dienen der Erhaltung des Systems und der Bekämpfung der Angst, wie sie durch Hilflosigkeit und Ungewissheit hervorgerufen wird.
Physisches und psychisches Wachstum führen zu einer Strukturänderung im System. Dies ist sehr wichtig, damit sich soziale Systeme der Umwelt immer wieder neu anpassen oder diese erhalten können.
Kongruenz ist ein Zustand einer aufeinander abgestimmten Ordnung aller Systeme. Der dynamische Zustand von Kongruenz ist erreicht, wenn sich alle vier Ziele im angestrebten Gleichgewicht bewegen und das menschliche System in Muster und Rhythmus mit maßgebenden Systemen der weiteren Umwelt und des Universums übereinstimmen.
Kohärenz, Systemerhaltung, Systemänderung und Individuation sind mögliche Verhaltensweisen, die zu den Zielen führen können:
- Systemerhaltung und Systemänderung fördern Regulation/Kontrolle
- Kohärenz und Individuation führen zu Spiritualität
- Systemänderung und Individuation bedeuten Wachstum
- Systemerhaltung und Kohärenz fördern die Stabilität
Die Pflege des Individuums schließt die Familie und die vernetzten Systeme der Umwelt mit ein.
Das Ziel der Pflege ist der Prozess, der das Streben nach Kongruenz im System erleichtert oder ermöglicht. Das Ziel des Empfängersystems ist die Gesundheit.
Individuelle Pflege und die Pflege der Familie sind kaum unterscheidbar. Die Kunst der Pflege besteht darin, sich je nach Bedarf von einer Ebene der Systemhierarchie zur anderen vertikal zu bewegen und sich horizontal den menschlichen Subsystemen gleichzusetzen.
Pflege ist nach Friedemann ein Prozess, der nicht auf die Krankheit reduziert werden darf. Sie bezieht alle Dimensionen ein und berücksichtigt und fördert Spiritualität, gemeinsames Wachstum, Regulation/Kontrolle und Stabilität.
Für die Arbeit von MobiCare im Pflegeprozess bedeutet dies, dass die vorhandenen Ressourcen der Kinder, ihrer Bezugspersonen und ihres jeweiligen Familiensystems unterstützt, integriert und so gefördert werden, dass sich die Pflegekräfte, wann immer dies möglich ist, zurückziehen können.
Die Eltern arbeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der Versorgung ihres Kindes mit. Sie werden geschult. Die professionelle Pflegekraft unterstützt das Kind und seine Eltern - dem Entwicklungsstand entsprechend - in seinem erhöhten Selbstpflegebedarf, universell und je nach Bedarf und unseren Ressourcen auch therapeutisch.
Der Patient und die Eltern sowie Angehörige und die engen Bezugspersonen werden als Einheit gesehen.
Unsere ZIELE im Umgang mit Patienten und deren Familien
- Die Familien erlangen ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit.
- Die Eltern und Angehörigen werden im Sinne unseres Pflegemodells ermutigt, beraten, unterstützt und fachkompetent geschult.
- Unsere Bestrebungen in der Pflege richten sich auf die Gesundung des Patienten sowie auf die Erhaltung der Lebensqualität eines chronisch Kranken.
- Wir respektieren das Leben und wir akzeptieren den Tod.
Unsere ZIELE im Umgang mit allen Mitarbeiterinnen in der Pflege
- Wir haben ein harmonisches Betriebsklima.
- Wichtig sind uns gegenseitige Wertschätzung und Akzeptanz sowie Anerkennung der Fachkompetenz jeder einzelnen.
- Jede Mitarbeiterin erhält die Möglichkeit Ziele mitzugestalten und Verbesserungsvorschläge einzubringen.
- Förderung und Forderung der Einzelnen im Rahmen des jeweiligen Aufgabenbereiches sind uns unverzichtbar.
- Wir setzen ärztliche Anordnungen und Verordnungen kompetent und verantwortungsbewusst um.
- Unser Qualitätshandbuch erarbeiten und entwickeln wir gemeinsam.
- Das Qualitätshandbuch soll von jeder einzelnen Mitarbeiterin in ihrem pflegerischen Handeln gelebt werden.
- Wir praktizieren einen größtmöglichen Austausch von Informationen und Erfahrungen.
- Unsere Mitarbeiterinnen erhalten regelmäßig ein Feedback zu ihrer Arbeit.
- Unsere Mitarbeiterinnen haben sichere Arbeitsplätze.
Unsere ZIELE in der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern
- Wir äußern uns anerkennend und respektvoll über unsere Kooperationspartner.
Leitung und Strategie
- Die Leitungsverantwortlichen von MC sind den Mitarbeiterinnen stets Orientierung und Vorbild.
- Wir verhalten uns loyal.
- Wir-Gefühl prägt unsere Zusammenarbeit.
- Es gibt klare Einteilungen der Tätigkeitsfelder für jede einzelne Mitarbeiterin.
- Bei MC gibt es ein betriebliches Vorschlagwesen: Jede Mitarbeiterin kann Kritik äußern, Verbesserungsvorschläge machen und Innovationsgedanken anbringen.
Prozess der Pflege
Der Pflegeprozess schafft die Möglichkeit einer schrittweisen und pflegezielgerichteten Abstimmung der Pflege auf die individuellen Probleme, Ressourcen und Bedürfnisse des Patienten. Nach Friedemann wird jede vorhandene, aber auch potenzielle Ressource und Fähigkeit des Patienten, seiner Familie und ihrer Mitglieder - im System - ermittelt und beachtet. Bei der Entwicklung und Formulierung der Pflegeleitlinien berücksichtigen wir das prozesshafte Vorgehen; kein Schritt des Pflegeprozesses darf ausgelassen oder übersprungen werden.
In den Pflegeleitlinien formulieren wir klare Pflegeziele. Die Evaluation der Pflegeziele geschieht in regelmäßigen Abständen. Die Erhaltung und Förderung der Selbständigkeit in den Familien ist stets ein zentrales Ziel.
Aufbau/ Inhalte des Pflegeprozesses
- Wir sammeln die nötigen Informationen. Die Qualität dieser Informationssammlung ist für alle weiteren Schritte des Pflegeprozesses entscheidend. Dies ermöglicht uns gemäß des Ansatzes von Friedemann, den Patient und seine Umwelt als Einheit zu sehen und ganzheitlich zu pflegen.
- Wir führen ein Überleitungsgespräch.
- Wir führen ein Erst-/ Aufnahmegespräch.
- Wir pflegen Checklisten zur Erstaufnahme.
- Wichtige Informationsquellen sind hierbei:
§ Spezielle Krankenbeobachtung
§ Aussagen der Ärzte (Arztberichte)
§ Aussagen des Pflegepersonals (Klinik)
§ Angaben der Eltern, Angehörigen
- Wir erfassen die Ressourcen und Probleme und schätzen den Pflegebedarf ein.
Wir legen Pflegeziele fest
Wir erfassen bzw. schätzen den Ist- Zustand des Patienten ein und beschreiben dann den anzustrebenden Gesundheitszustand, den der Patient mit unserer Unterstützung und Pflege zukünftig erreichen soll.
Wir planen die Pflege und legen Pflegemaßnahmen fest, um die Pflegeziele zu erreichen.
Durchführung der Pflegemaßnahmen
Alle Pflegekräfte bei MC halten sich an die festgelegte Pflegeplanung und die vereinbarten Maßnahmen.
Evaluation
Die Bewertung der Pflegeziele und der entsprechenden Maßnahmen muss, insbesondere im Hinblick auf den Nutzen für den Pflegebedürftigen, durchgeführt werden.
Die Ergebnisse der Evaluation sind Grundlage zur Aktualisierung der Pflegeplanung. Hierbei werden ggf. - nach Rücksprache mit den Verantwortlichen - sowohl die Ziele als auch die einzelnen Maßnahmen modifiziert.
Ludwigsburg, im Februar 2010
Mobile Kinderkrankenpflege